Der Internationale Weltfrauentag am 8. März, der dieses Jahr unter dem Motto „Break the Bias“ stand, ist Anlass genug, um noch einmal unsere catworkx-Frauen zu Wort kommen zu lassen. An diesem besonderen Tag stand die Rolle der Frau in der Gesellschaft im Mittelpunkt und legte dabei den Fokus auf spezielle Probleme und Themen, die global von Bedeutung sind. Es geht darum, Stereotypen und Vorurteile gegenüber Frauen und Mädchen zu durchbrechen und dadurch für mehr Gleichberechtigung zu sorgen. In Bezug auf unsere Reihe „Frauen in der IT” ist das – wie wir finden – ein guter Moment, um noch einmal hinter die Kulissen zu schauen. Wir haben bei unseren Atlassian Expertinnen, bei Nina in Deutschland und Bibiya aus der Schweiz, nachgefragt, wie sie die Rolle der Frau im Bereich IT sehen.

Stellt Euch bitte einmal kurz vor! Was macht Ihr jeweils bei catworkx?

Nina: Mein Name ist Nina Hammelstein. Ich bin seit 2019 bei catworkx angestellt und hier mittlerweile als Atlassian Senior Expert und Team Lead unterwegs. Zuvor habe ich in einem DevOps-Team gearbeitet, als Scrum Master agile Teams begleitet und im Application Management Atlassian Tools betreut.

Bibi: Ich heiße Bibiya Kakkattu, ich bin 28 Jahre alt und komme ursprünglich aus Indien. Seit 2019 arbeite ich als Atlassian Expert bei der catworkx in der Schweiz. Dort bin ich vor allem bei der technischen Umsetzung tätig, d.h. ich leiste Hilfestellung in der Implementierung, Anpassung und Einführung von Jira und Confluence.

Bibiya

Ihr habt beide keine Informatik studiert, sondern etwas anderes. Wie seid ihr dann zur IT gekommen und was hat Euch an dieser Branche gereizt?

Nina: Tatsächlich bin ich studierte Kulturwissenschaftlerin und war nach den branchenüblichen Praktika etwas desillusioniert. Schließlich übernahm ich in einem Start-Up – in dem ich eigentlich für das Content Management und Korrektorat eingestellt war – zusätzlich den gesamten IT-Support. Eine Affinität zu IT-Themen hatte ich schon immer, vom Amiga 500 über sorgsam zusammengestellte und selbst gebaute Rechner bis hin zum ersten funktionierenden Skript. Mein IT-Einstieg fühlte sich deshalb ein bisschen wie „nach Hause kommen” an. Später habe ich dann die Atlassian-Tools kennen- und liebengelernt. Hier liefen meine IT-Interessen zusammen: sowohl große Lösungskonzepte als auch vielfältige Konfigurationen, Skripte etc. waren gefragt. Was mir immer wieder in allen IT-Bereichen Spaß macht, ist das direkte Feedback: Hast du alle Bauteile korrekt zusammengesteckt, wird bei Knopfdruck der PC hochfahren. Hast du das Skript richtig konzipiert und aufgebaut, erhältst du auch das gewünschte Ergebnis. Und wenn nicht: denk‘ es neu und versuch‘ es noch einmal.

Bibi: Mein Weg in die IT begann im selben Jahr, also 2019. Ich nahm an dem Absolvententag der ZHAW (School of Engineering, Schweiz) teil. Dort lernte ich das catworkx-Team Schweiz (Sabrina Glawion und Andreas Krupp) kennen. Ein Team, das so begeistert, motiviert, leidenschaftlich, bodenständig rüberkam. An diesem Tag erzählte mir Andreas Krupp (CTO catworkx AG Schweiz), was seine Tätigkeit bei der catworkx AG ist und dass er auch nicht wesentlich mehr IT-Vorkenntnisse hatte als ich, als er in dieser Branche angefangen hat. Als Autodidakt habe er sich vieles selber beigebracht. Er hat mich an diesem Tag wirklich beeindruckt und motiviert. So nahm ich die Chance an und fing bei catworkx als Atlassian Junior Expert an.

Von Anfang an hatte ich dort einen Mentor: Michael Bernhard. Er ist der CEO der catworkx AG in der Schweiz. Er war es, der mich in Bezug auf die Atlassian-Welt ausgebildet, mich in Schutz genommen hat, wenn ich einen Fehler gemacht habe, mich laufend motiviert und mir positive Feedbacks gegeben hat. Und ich muss sagen, der Reiz an der Branche bzw. dass ich immer noch in der IT-Branche arbeite, liegt vor allem an den beiden Co-Foundern der catworkx Schweiz: Sie waren und sind immer da, wenn man Hilfe braucht. Man muss also keine Angst vor etwas haben. Schön finde ich, dass sie beide sehr viel Wert darauf legen, dass Frauen in der IT gefördert werden. Sie gehen mit gutem Beispiel voran.

Warum glaubt Ihr, dass sich Frauen nicht so häufig für die IT entscheiden? Würde es Eurer Meinung nach helfen, wenn Kinder im Allgemeinen und junge Frauen im Besonderen, möglichst früh an die Informatik herangeführt werden oder seht Ihr vielleicht ganz andere Stolpersteine?

Nina Hammelstein

Nina: Ich denke, dass wir uns als Gesellschaft grundsätzlich von diesem Schubladendenken entfernen müssen. Natürlich gibt es auch IT-Projektmanagement-Jobs, genauso benötigen wir aber Softwareentwicklerinnen, Administratorinnen, weibliche Dev-Ops-Kolleginnen usw.. Mädchen und Frauen im gleichen Maße wie Jungen und Männer auf diese Karrieren aufmerksam zu machen und dafür zu motivieren, dies kann nur durch Änderungen in der Erziehung, der Bildung und durch Repräsentation geschehen.

Bibi: Es gibt viele Gründe, warum Frauen sich nicht so häufig für die IT entscheiden. Viele Frauen denken, dass IT-Berufe nur aus Coden und Softwareentwicklung besteht und es die einzige Eintrittskarte in diese boomende Branche ist. Dabei gibt noch so viel mehr: Marketing, Design, Management, Finanzen – alle haben ihren Platz in der IT.

Ein weiterer Grund kann das Fehlen von Vorbildern sein. Frauen brauchen mehr “echte”, nachvollziehbare Vorbilder, die in der Lage sind, zu ihren eigenen Bedingungen erfolgreich zu sein. Andernfalls geht viel junges Potenzial verloren, wenn Mädchen bzw. junge Frauen die Technologie-Branche nicht einmal als zukünftigen Karriereweg in Betracht ziehen.

Es hilft natürlich, wenn Mädchen sich schon früh mit einem Computer, mit IT-Themen vertraut machen. Je mehr Dinge sie in der Technik ausprobieren, desto mehr Erfolgserlebnisse haben sie. Schließlich sollte man sich bei der Berufswahl – meiner Meinung nach – von seiner Leidenschaft, seiner Begabung und nach dem Spaß einer Tätigkeit für einen Bereich entscheiden.

Ihr vertretet jeder ein Land: die Schweiz und Deutschland. Gibt es Eurer Meinung nach einen Unterschied zwischen/in den Ländern, was den Anteil von Frauen in Studiengängen oder in IT- Berufen angeht? Was nehmt Ihr wahr?

Nina: Ich kenne den Schweizerischen Arbeitsmarkt nicht ausreichend, um das bewerten zu können. Ich weiß allerdings, dass es hier auch in anderen Branchen, wie in Deutschland, einen Fachkräftemangel gibt. Grundsätzlich profitieren alle von Diversität – im Leben, an der Uni oder im Job. Ich könnte mir vorstellen, dass auch in der Schweiz ähnliche Anpassungen notwendig und in Planung sind.

Bibi: Ob es einen eklatanten Unterschied gibt, kann ich nicht sagen. Leider ist so, dass es hier in der Schweiz anteilsmäßig sehr viel weniger Frauen in den Hochschulen gibt, die sich z.B. für „Engineering” entscheiden. Aber: Ich sah im letzten Jahr mehr Frauen als noch vor ein paar Jahren. Das Gute ist, dass sich die Hochschulen und Technologieunternehmen nicht nur bemühen mehr weibliche Ingenieure einzustellen, sondern auch Frauen ermutigen, das Ingenieurwesen an sich und auch die KI als Karrierechance zu sehen.

An den deutschen Unis sinkt der Anteil von Informatik-Studentinnen. Um den Frauenanteil zu erhöhen, wünschen sich viele weniger klischeehafte Darstellungen zur Informatik und Technologie. Meinst Du, Nina, das würde helfen?

Nina: Repräsentation ist sicher ein großes Thema – Frauen in technischen Berufen muss eine Bühne geboten werden, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Klischees wie sie etwa in ”The Big Bang Theory” oder „The IT Crowd” vermittelt werden und generell klischeehafte Darstellungen in den Medien – ein Thema mit dem ich mich während meines Studiums auch befasst habe – wird es immer geben. Grundsätzlich muss uns bewusst sein, dass dies immer vereinfachte Darstellungen für einen unkomplizierten Konsum sind. Die Wahrnehmung anderer kann ich erst einmal nicht direkt beeinflussen – sich nicht davon beirren lassen, sondern weitermachen. Alles weitere müssen die zuvor genannten Änderungen und eine bessere Beleuchtung technischer Berufe in die Wege leiten.

Das Motto der UN für den Weltfrauentag 2022 lautet „Break the Bias.“ Welchen Rat, welche Botschaft würdet Ihr, in Bezug auf dieses Motto, den jungen Frauen und Mädchen von heute mitgeben?

Nina: Habt Vertrauen in Euch selbst und Euer Können. Motiviert und traut Euch, Euch mit technischen Themen auseinanderzusetzen. Bewerbt Euch, auch wenn Ihr Voraussetzungen einer Job-Beschreibung nicht zu 100% erfüllt. Wichtig ist auch zu wissen, dass man für eine erfolgreiche IT-Karriere nicht unbedingt Informatik studiert haben muss. Motivation, Wissbegierde und eine frische Sichtweise – zum Beispiel aus anderen Fachrichtungen – sind gute Begleiter. Aber stellt Euch darauf ein, ab dann den IT-Support für den Familien- und Freundeskreis zu leisten. 😉

Bibi: Meine Erfahrung ist, dass die meisten Frauen eine sichere, einfache und fürsorgliche Umgebung bevorzugen, da man oftmals – von klein auf – gesagt bekommt, dass man später eine Familie gründen wird. Aus diesen Gründen denken viele Frauen, dass sie dem Druck der IT-Branche nicht standhalten können.

Und last but not least: Warum arbeitet Ihr gerne bei catworkx?

Nina: Toll finde ich die Möglichkeit, Prozesse mitgestalten zu können, Lösungen zu erarbeiten und so auch an der Entwicklung des Unternehmens mitzuwirken. Außerdem gefällt mir das hohe Maß an Eigenverantwortlichkeit und die Flexibilität in Projekten.

Bibi: Weil sie Frauen fördern und die „Bias” brechen. Ich konnte in keiner anderen Firmen die Flexibilität erleben, die ich jetzt erlebe: Neben meiner Arbeit mein Traumstudium (Master in Machine Learning) absolvieren zu können. 😄